Die Bedeutung von Engagement und Ehrenamt

Aller guten Dinge sind: Drei. Und somit hieß es Ende November wieder Einkehr in den Aktivtreff 60Plus der evangelischen Kirche in Ratingen Lintorf. Die wiederholte Einkehr bedeutete auch, dass einige ältere Menschen erneut kamen, um mit Geflüchteten aus Syrien zu sprechen – und um sich ganz nebenbei auch ein Update zu holen, was aktuell im Bürgerkriegsland in Nahost vor sich geht. 

 

Die Möglichkeiten Flüchtlinge zu unterstützen und ihnen bei bürokratischen oder sprachlichen Barrieren zu helfen, sind groß. Dafür braucht es allerdings engagierte Helferinnen und Helfer. Diese engagieren sich mehrheitlich ehrenamtlich, spenden Zeit und Wissen. Der 5. Dezember jeden Jahres ist der internationale Tag des Ehrenamts. Der Aktionstag zur Anerkennung und Förderung ehrenamtlichen Engagements wurde von der UN mit Wirkung ab 1986 beschlossen. Auch in der AWO-Angerland in Ratingen wird ehrenamtliches Engagement großgeschrieben. Der Ortsverein unterstützt das benachbarte Kopernikus-Gymnasium Ratingen, an dem sich eine Seiteneinsteigerklasse befindet, in der geflüchtete Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache lernen. In der AWO-Angerland wird weiter Deutsch gelernt: beim Kuchen backen mit Seniorinnen und Senioren. Wie wichtig dieses ehrenamtliche Engagement ist, betonen auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim gemeinsamen Bürgergespräch in der AWO-Angerland. Firas Al Sehnawi aus der Nähe von Damaskus erzählt von einer Flüchtlingshelferin, die er bei seiner Ankunft in Deutschland vor drei Jahren kennenlernte. Mittlerweile ist daraus eine tiefe Freundschaft auf Augenhöhe entstanden – ein Geben und Nehmen. Die Freundschaft beinhaltet nämlich auch ein so genanntes Sprachtandem. Dieses bietet die Möglichkeit sich mit einem Muttersprachler in dessen Muttersprache zu unterhalten, um seine eigenen Kenntnisse dieser Sprache zu verbessern. Firas lernt so die deutsche Sprache und bringt gleichzeitig seiner Tandempartnerin Arabisch bei. 

 

Dass das Erlernen einer neuen Sprache Geflüchtete vor eine enorme Herausforderung stellt ist auch Konsens des Bürgergesprächs – Deutsch ist keine leichte Sprache. Während jüngere Geflüchtete die Sprache in der Schule tagtäglich lernen, fällt es insbesondere den älteren Geflüchteten schwer, da Anknüpfungspunkte mit Deutschen fehlen. Davon berichtet auch Teilnehmerin im Bürgergespräch, die eine irakische Flüchtlingsfamilie betreut.

 

Midia Mohammad aus Qamischli im Nordosten Syriens besucht zwar einen Deutschkurs, aber das Lernen zu Hause mit einer ehrenamtlichen Helferin, die mittlerweile ebenfalls zu einer guten Freundin der Familie geworden ist, hilft ihr ungemein. Und Midia erhält direkt ein Kompliment aus der Gesprächsrunde: „Viele Menschen, die eine neue Sprache lernen, trauen sich nicht, diese anzuwenden. Du traust dich, das gefällt mir.“ Ein schöner Abschluss der wertvollen Gesprächsrunde.

Das Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der Deutschen Gesellschaft e.V. dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den interessanten Austausch. Ein großes Dankeschön auch an Frau Sabine Kempken von der AWO. Das Projekt „Meine neue Heimat – Deine neue Heimat“ wird mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern gefördert.

Foto: Firas Al Sehnawi und Midia Mohammad aus Syrien mit einer Teilnehmerin des Bürgergesprächs in der AWO-Angerland in Ratingen

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