„Deutschland ist meine zweite Heimat.“

Kann ein neuer Ort zur Heimat werden? Dieser Frage stellten sich die Besucherinnen und Besucher in der Geschwister-Gerhard-Stiftung Ratingen-Hösel.

 

In der Begegnungsstätte besprach man gemeinsam bei reger Beteiligung, was es bedeutet, wenn die ursprüngliche Heimat entrissen wird. Und überlegte auch, was das eigentlich meint: der Begriff Heimat.

 

Die Teilnehmenden gaben Einblicke in ihre Vergangenheit und berichteten detailliert von ihrer Flucht aus den ehemals ostpreußischen Gebieten oder auch der DDR.

Auch Firas Al Sehnawi erzählte von seinen Erfahrungen, die er bei seiner Flucht aus Syrien machen musste. Das Zuhause und seine Vertrauten zurücklassen, dieses schwere Schicksal eint beide Seiten. 

Parallelen, besonders in Bezug auf die Gefühlswelt der Teilnehmenden, wurden sichtbar. Nicht nur das Zurücklassen der alten Heimat, sondern auch die Ankunft an einen neuen Ort sowie die damit 

verbundenen Gefühle, sind Teil der Fluchterfahrung. Kann dieser neue Ort aber zur Heimat werden?


Die Teilnehmenden waren sich sicher: Das funktioniert. Denn Heimat ist – da war man sich einig – nicht zwangsläufig an einen bestimmten Ort gebunden. Das Gefühl von Geborgenheit und das Zusammensein mit Menschen, die einem wichtig sind: das ist wichtig, um Heimat zu empfinden. Dass dies allerdings nicht selbstverständlich ist, erkannten die Besucherinnen und Besucher. Was muss also konkret passieren, damit Geflüchtete dieses Gefühl empfinden können?  Hier kam man zu der Erkenntnis, dass die Stigmatisierung von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, ein Ende haben muss. Viele der Teilnehmenden hatten Ausgrenzung erlebt und ein abwertend gemeintes „du Flüchtling“ zu hören bekommen, sei es in der Nachkriegs- oder aber in der aktuellen Zeit.

 

Der Konsens dieses Bürgergesprächs lautete: Offenheit und ein Aufeinander zugehen sind äußerst bedeutsam. Der Austausch und Kontakt zu anderen Menschen kann dabei helfen eine Heimat zu finden.


So kommt Firas, der glücklich von seinen Freundschaften in Deutschland erzählte,  auch abschließend zu der Erkenntnis, dass sich Deutschland für ihn mittlerweile wie eine zweite Heimat anfühlt.

 

Das Team der Deutschen Gesellschaft e.V. dankt herzlich allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 

Bürgergesprächs und insbesondere Frau Jour und der Geschwister-Gehard-Stiftung für die

Unterstützung und Umsetzung der Veranstaltung.  


Fotos © Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der deutschen Gesellschaft e.V.