Wie funktioniert Integration?

Ratingen-Lintfort ist ein ganz besonderer Standort. Denn hier fanden nach dem Zweiten Weltkrieg etliche deutsche Ostflüchtlinge eine neue Heimat. Ein Grund mehr, das fünfte Ratinger Bürgergespräch zur Heimatfindung nach der Flucht an diesem Ort anzuberaumen.

Die evangelische Kirchengemeinde Lintorf-Angermund öffnete für das Bürgergespräch ihre Türen. Und an der Diskussion beteiligten sich vor allem engagierte Bürgerinnen der örtlichen Frauenhilfe. Die interessierten Damen, die zum Teil selbst aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten geflohen sind, stellten den beiden syrischen Gästen Firas Al Senaweh und Lina Alsayah allerhand Fragen und ergänzten selbst aus ihren vielfältigen Erlebnissen der Nachkriegszeit.

Dank empathischer Moderation der Journalistin Corinna Nohn basierte die Diskussion der Veranstaltung auf gemeinsamen Erfahrungen und führte zu einem herzlichen Austausch über Heimatfindung — damals und heute. So berichtete eine Dame, dass sie im Rheinland in der Nachkriegszeit sehr viel Ablehnung erfahren habe, ihre Familie als „Zigeuner“ und sie und ihre Geschwister als „Lausköpfe“ beschimpft wurden. Eine weitere Teilnehmerin ergänzte dazu, dass sie mit dem rheinischen Dialekt nicht zurechtkam und bereits durch ihre Sprache negativ auffiel. Neugierig wurde die Damenrunde, als es um das Thema Karneval ging. Sie hakten besonders nach, als es um die persönlichen Erfahrungen von Firas Al Senaweh und Lina Alsayah ging.

 „Und wann ist man nun integriert?“, fragte Moderatorin Corinna Nohn in die Runde. Für Unterhaltung sorgte die Antwort einer älteren Dame. Es sei zumindest einfacher, wenn man einen „Einheimischen” heirate. Die Teilnehmerinnen ermutigten die beiden syrischen Gäste den Kontakt zu Einheimischen zu suchen – vor allem in Vereinen.

Konsens an diesem sonnigen Nachmittag bei Kaffee, Pudding-Teilchen und Datteln: Integration braucht Zeit und Geduld. Voraussetzung ist eine positive sowie offene Grundeinstellung aller Beteiligten.

 

 

 

 

Wir bedanken uns herzlich bei den Teilnehmerinnen und besonders bei Bettina Borsch und „Herrn Uwe“ vom Aktivtreff 60plus. Träger der Einrichtung ist die Evangelische Kirchengemeinde Lintorf-Angermund.

Bilder:  © Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der deutschen Gesellschaft e.V.