Heimatfindung durch Kontakte

Im Zuge der Bürgergespräche "Meine neue Heimat - deine neue Heimat" öffnete die AWO Angerland in Ratingen-Lintorf ihre Türen. Die interessierten Seniorinnen und Senioren stammen selbst zu großen Teilen nicht aus Ratingen und fühlten sich bei ihrer Ankunft in der Stadt fremd und ausgeschlossen. Eine Teilnehmerin erzählte der Runde davon, dass sie mit ihrem schlesischen Nachnamen im Ratingen der sechziger Jahre auf Ablehnung stieß. Als sie ihrer Mutter schließlich von ihrem zukünftigen Ehemann berichtet hatte, sagte sie zu ihr: "Bitte lass es einen Müller oder Schmidt sein". Sie wollte für ihre Tochter, dass niemand sie mehr wegen ihres Nachnamens ausgrenzte. Da ihr Ehemann ebenfalls einen schlesischen Nachnamen trug veränderte sich die Reaktion ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger auf sie nicht und somit hatte sie noch lange Probleme damit Ratingen "Heimat" zu nennen.

Die Situation veränderte sich für sie erst - und die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer pflichteten ihr bei - als sie Anschluss an andere Ratinger fand. Sie und die anderen Senioreninnen und Senioren haben aus eigener Hand erfahren was es heißt fremd zu sein, sei es dass man es an Namen oder sprachlichen Eigenheiten erkennt, und wollen nun aktiv dabei helfen es anderen Menschen einfacher zu machen eine neue Heimat zu finden und sich aufgenommen zu fühlen. So beschreiben sie, dass sie regelmäßig zwei syrische Mädchen zum Basteln einla-den und diese öfters vorbeikommen um gemeinsam mit ihren "Tanten" Zeit zu verbringen.

Nach einem Austausch über Feiertage und Traditionen boten die Seniorinnen und Senioren der AWO Angerland den beiden aus Syrien stammenden Gästen Firas Al Senaweh und Midia Mohammad an gemeinsam Weihnachten zu verbringen. Auch die Moderatorin des Bürgergespräches, die Journalistin Corinna Nohn, lud die beiden zum Kontakteknüpfen zu ihrer Geburtstagsfeier ein.

Das Team des Bildungswerks NRW der Deutschen Gesellschaft e.V. dankt der AWO Angerland und insbesondere Sabine Kempken für die Aufnahme sowie den regen Teilnehmerinnen der Runde. Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern gefördert.

Bilder:  © Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der deutschen Gesellschaft e.V.