Gemeinsamkeiten finden- unterschiede schätzen

Der Aktivtreff 60Plus der evangelischen Kirche in Ratingen-Lintorf hat im Mai zum vierten Mal seine Türen für ein Bürgergespräch mit Geflüchteten geöffnet. In gewohnt herzlicher Atmosphäre kamen aktive Seniorinnen und Senioren mit kurdischen Syrern zusammen – nicht ohne vorher einen Einblick in die Geschichte und Kultur dieser besonderen Migrantengruppe zu erhalten, denn wenig bekannt: Es handelt sich hierbei um die größte staatenlose Minderheit der Welt.


Im Epizentrum von potentiellen geopolitischen und ideologischen Konflikten an den ressourcenreichen Grenzgebieten der Türkei, Syrien, Irak und Iran angesiedelt, sind die Kurden seit langem externen Mächten ausgesetzt – so auch dem IS, der noch vor zwei Jahren weite Teile des syrischen und irakischen Kurdengebiets besetzt hatte, und dessen fortschreitende Eroberungen auch die anwesende Familie Mohammad in die Flucht trieb. Heute leben sie rund zwei Jahre in Deutschland und können über die eigene Flucht sowie das neue Leben in Deutschland berichten, das sie mit offenen Armen annehmen.

 

Die Senioren und Seniorinnen zeigten großes Interesse an der Geschichte der Familie, denn weil Lintorf Sammelpunkt für etliche Vertriebe aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten war, konnten einige Teilnehmer Parallelen zu persönlichen Fluchterfahrungen aus der Nachkriegszeit ziehen. Als großer Faktor zur besseren Heimatfindung in der neuen Heimat wurde von beiden Seiten das aktive Leben der eigenen Kultur angesehen. Tradierte Bräuche und Sitten der eigenen Herkunft in die neue Heimat übernehmen und in diese Kultur integrieren, etwa mitgebrachte Lieder, Feste oder Essen – generationsübergreifend und jenseits ethnischer Herkunft sind gerade dies die bereichernden „Mitbringsel“ von Neuzugewanderten für die Aufnahmegesellschaft.

 

Das Team vom Bildungwerk NRW der Deutschen Gesellschaft e.V. dankt herzlich dem engagierten Aktivtreff 60Plus in Lintorf, den interessierten Teilnehmenden sowie allen aktiven und passiven Mitgestaltern dieses besonderen Bürgergesprächs zur Heimatfindung nach der Flucht.

Foto © Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der deutschen Gesellschaft e. V.