„Früher war niemand willkommen“

Aller guten Dinge sind: Drei. Und somit hieß es Ende November wieder Einkehr in den Aktivtreff 60Plus der evangelischen Kirche in Ratingen Lintorf. Die wiederholte Einkehr bedeutete auch, dass einige ältere Menschen erneut kamen, um mit Geflüchteten aus Syrien zu sprechen – und um sich ganz nebenbei auch ein Update zu holen, was aktuell im Bürgerkriegsland in Nahost vor sich geht.

Nach dem Austausch hierzu stand dann die Diskussion zur Heimatfindung im Vordergrund – dieses Mal vor allem durch ein Parallelenziehen zwischen Anwesenden, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten geflohen waren, und aktuell aus Nahost nach Deutschland Geflohenen. „Früher war niemand willkommen“, brachte es eine Seniorin auf den Punkt, die aus Ostpreußen ins Rheinland gekommen war. „Wir waren die Polacken. Und wir waren dazu noch evangelisch im katholischen Rheinland.“ Die syrischen Gäste lauschten erstaunt und in Teilen auch sichtlich bewegt, was die Älteren zu berichten wussten. Und gaben dann ihr individuelles Rezept für ein Ankommen in Deutschland. „Ich versuche explizit neue deutsche Freunde und Bekannte zu finden“, so Firas Al Sehnawi, der seit Sommer 2015 in Deutschland ist. „Das zeigt mir die Kultur am besten und hilft natürlich bei der Sprache.“ Was von den Ratinger Senioren spitzbübisch als Integrationsinstrument Nummer 1 empfohlen wurde: Heiraten. An dieser Stelle durfte so auch bei einem schwierigen Thema herzlich gelacht werden, bevor man wieder ernst wurde. Denn eines wurde im Lintorfer Bürgergespräch auch deutlich: Den Ostflüchtlingen von damals war schnell klar, dass es keine Rückkehr in die Heimat geben würde. Die Geflüchteten von heute bringen die Unsicherheit mit, dass es für sie auch so kommen könnte. Viele wollen auch in Deutschland oder Europa bleiben. Aber niemals in die Heimat zurückkehren zu können, das ist einfach zu schmerzlich. Die Hoffnung auf eine Befriedung in Syrien ist somit bei allen präsent.   

Das Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der Deutschen Gesellschaft e.V. dankt herzlich allen Teilnehmern und Möglichmachern dieser Veranstaltung (Frau Borsch und Herr Uwe – Danke herzlichst!). Hervorheben möchten wir vor allem auch Rita Lensch als bestens vorbereitete Moderatorin unseres offenen Dialogs, die am Vortag der Veranstaltung sogar den Schriftsteller Arno Surminski als vermutlich bekanntesten deutschen Ostgeflohenen zwecks Hintergrundinformationen kontaktiert hat. 

Das Projekt „Meine neue Heimat – Deine neue Heimat“ wird mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern gefördert.

Bild:  © Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der deutschen Gesellschaft e.V.