Der Blick zurück: Wo sind wir nach zwei Jahren Bürgergesprächen?

Ratingen, Begegnungsstätte-Tiefenbroich: Wo eines der ersten Bürgergespräche im Spätherbst 2016 begann, kam die Gesprächsreihe, die ältere Ratinger mit jungen Geflüchteten zusammenbrachte, zum Ende. In der Rückschau konnten einige Dinge besser betrachtet werden: Wo gibt es Parallelen zwischen ehemaligen Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten und den heutigen aus Nahost und Afrika? Was unterscheidet sie? Und: Wie funktioniert Integration am besten? 

 

Die primäre Parallele: Die Startschwierigkeiten von Geflüchteten hatten vor allem auch damit zu tun, dass man mitunter nicht mit offenen Armen empfangen wurde. Die Ostflüchtlinge von damals schilderten, dass in der Zeit des Mangels niemand teilen wollte – und vermutlich auch viele nicht konnten. Willkommen war man selten und wurde zum Teil sogar mit derben Schimpfworten bedacht. Heute kämpfen die Geflüchteten indes vor allem mit administrativen Hürden, die einem Willkommen zuwiderlaufen: Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen und Zeugnissen machen den Einstieg in den Arbeitsmarkt schwer. Verwaltungsprozesse dauern lang, und so wird eine schnellere Integration vor allem durch den Erwerb der deutschen Sprache gefördert, die die aktuell Geflüchteten dank der Integrationskurse auch in der zwangläufigen Warteschleife vorantreiben können.

Der größte Unterschied: Neben der anderen Sprache unterscheidet sich auch die Kultur der Neuzugewanderten mitunter erheblich von der der Aufnahmegesellschaft. Viele aktuell Geflüchtete kommen aus weitaus konservativeren, auch autokratischen Systemen. Das Ankommen in einer offeneren, demokratisch-pluralistischen Gesellschaft wie Deutschland stellt somit eine Herausforderung dar. Umgekehrt erzeugen die traditionellen Weltbilder – Stichwort Gleichberechtigung – unter vielen Menschen in der Aufnahmegesellschaft Unverständnis. Dass gerade diese Diskrepanz besser adressiert werden muss als in vergangenen Migrationsbewegungen nach Deutschland wurde gerade im letzten Bürgergespräch in Ratingen-Tiefenbroich wieder deutlich.

 

Wie also kann die Integration heute gelingen? Wir alle stellten fest: Durch das persönliche Gespräch, das wir auch in der Ratinger Bürgergesprächsreihe gepflegt haben. Durch ein Aufeinanderzugehen und Kennenlernen. Die neuen sozialen Kontakte, die so entstehen, sind das beste Mittel, in Deutschland gemeinsam einer erfolgreichen und friedvollen Zukunft entgegenzublicken.

 

Wir danken herzlich der Stadt Ratingen und den Möglichmacherinnen und Möglichmachern der Begegnungsstätten, den Moderatorinnen und Moderatoren sowie Mediatorinnen und natürlich den Geflüchteten aus Syrien und Eritrea, die sich mit viel Engagement in die Gespräche eingebracht haben.

 

Foto © Bildungswerk Nordrhein-Westfalen der deutschen Gesellschaft e. V.