Länderinfo Eritrea

Eritrea ist ein Staat im nordöstlichen Teil Afrikas. Er grenzt im Süden an Äthiopien, im Südosten an Dschibuti, im Nordwesten an den Sudan und im Osten an das Rote Meer. Mit einer Fläche von 121 144 km² ist das Land etwa ein Drittel so groß wie Deutschland. Geschätzt leben circa 5 Millionen Menschen in Eritrea. In der Hauptstadt, Asmara, leben circa 500.000 Einwohner.

Politische Lage

Eritrea ist ein Einparteienstaat. Staats- und Regierungschef ist Isaias Afwerki von der Partei "People's Front for Democracy and Justice" (PFDJ). Die PFDJ beherrscht das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben des Landes. Das Parlament tritt nur auf Anforderung des Präsidenten, zuletzt 2001, zusammen. Es ist damit faktisch inaktiv.  Eine organisierte politische Opposition innerhalb Eritreas gibt es nicht. Zahlreiche Regimekritiker wurden seit 2001 ohne rechtstaatliches Verfahren verhaftet und sind seit Jahren ohne jeden Kontakt zur Außenwelt an geheimen Orten festgehalten. Die gesamte Medienlandschaft Eritreas ist in staatlicher Hand. Es gibt einen Radio- und einen Fernsehsender sowie zwei Zeitungen; private Zeitungen sind seit 2001 untersagt.

Die innenpolitische, wirtschaftliche und soziale Lage in Eritrea wird seit Jahren in erster Linie durch den Grenzkonflikt mit Äthiopien bestimmt, der 1998-2000 in einen blutigen Krieg mit über 100.000 Toten mündete. Folgen sind unter anderem die weitgehende Militarisierung der Gesellschaft und ein Zurückdrängen der Privatwirtschaft durch staatlich gelenkte Wirtschaftsunternehmen. Die fortbestehende weitgehende Kriegswirtschaft und die planwirtschaftliche Wirtschaftspolitik haben der eritreischen Volkswirtschaft schweren Schaden zugefügt.

Eritrea gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt von 771,36 US-Dollar pro Kopf zu den ärmsten Ländern der Welt. Es nimmt unter 188 Staaten den 186. Platz im Human Development Index 2014 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen ein. Große Teile der eritreischen Bevölkerung sind zumindest anteilig in ihrem alltäglichen Überleben von Überweisungen von Auslandseritreern abhängig.

Außenpolitisch setzte Staats- und Regierungschef Isayas Afewerki mit destabilisierenden Aktionen am Horn von Afrika und der Suspendierung ausländischer Hilfsprogramme seinen Isolationskurs fort. Wegen der Dürrekatastrophe am Horn von Afrika waren auch in Eritrea Zehntausende Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Genaue Zahlen konnten nicht erhoben werden, da die eritreische Regierung eine Nahrungsmittelknappheit dementierte und internationalen Hilfsorganisationen die Einreise verwehrte.

Nach Informationen der Neuen Zürcher Zeitung berichtet der aktuelle UNO-Bericht zur Menschenrechtslage in Eritrea Erschreckendes. Fürchterliche Zustände in den Gefängnissen mit Folter und Vergewaltigungen, politische Entführungen und Morde, Zwangsarbeit, ja Sklaverei: Der Report kommt zu einen vernichtenden Urteil über das Regime in Asmara und fordert, den Diktator Afewerki vor dem Internationalen Strafgerichtshof anzuklagen. Allerdings war es der Uno-Kommission nicht möglich, in Eritrea selbst zu recherchieren. Die Einreise wurde ihr verweigert. Der Bericht fußt auf Aussagen von Eritreern im Ausland.

Angesichts des ungelösten Grenzstreits zwischen Äthiopien und Eritrea und des andauernden Grenzkonflikts mit Dschibuti bleibt die politische Lage angespannt.

Leben, Bildung, Kultur

In Eritrea gibt es neun größere ethnische Gruppen. Zu den größten zählen die Tigrinya (circa 50 Prozent) und die Tigré (circa 30 Prozent). Weitere sind: Saho (circa 5 Prozent), Afar (circa 5 Prozent), Hedareb (circa 2,5 Prozent), Bilen (circa 2 Prozent), Kunama (circa 2 Prozent), Nara (circa 1,5 Prozent) und Rashaida (circa 0,5 Prozent). Laut Regierungsangaben sind etwa 50% der Bevölkerung Christen und 50% sunitische Muslime.

Eritrea hat ein hohes Nationalbewusstsein und die Erhaltung der Einheit des Vielvölkerstaates spielt eine große Rolle. In der am 1997 verabschiedeten, jedoch nicht in Kraft getretenen Verfassung sind alle neun Sprachen der verschiedenen Ethnien als gleichberechtigt anerkannt.

Im Rahmen der inländischen Entwicklungs- und Armutsbekämpfungsstrategie wird dem Bildungssektor eine herausgehobene Bedeutung beigemessen. Zugang zu Bildungseinrichtungen sowie eine effizientere Wissensvermittlung stehen im Vordergrund.

Alle Schülerinnen und Schüler müssen seit 2002 ihren Sekundarschulabschluss zentral in einer in der Nähe der sudanesischen Grenze gelegenen Schule ablegen. Dort findet auch eine sechsmonatige militärische Grundausbildung statt. Danach können die besten Absolventen ein Studium an einem der Colleges aufnehmen. Alle anderen werden zur Ableistung des achtzehnmonatigen (in der Praxis leider unbegrenzten) Wehrdienstes eingezogen. Dies macht einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung aus, so dass nur wenige für produktive Tätigkeiten eingeschränkt zur Verfügung stehen. Ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung sind überwiegend in landwirtschaftlichen Kleinstbetrieben tätig. Die Erträge sind klimabedingt schwankend.

Als Ersatz für die im August 2006 aufgelöste Universität Asmara wurden acht über das Land verteilte Colleges mit dem Ziel aufgebaut, die Zugangsmöglichkeiten aller Bevölkerungsschichten zu höherer Bildung in allen Teilen des Landes zu verbessern um somit 25 Prozent bis 30 Prozent der Schulabgänger eine Hochschulausbildung zu ermöglichen. Angesichts von Lehrer- und Professorenmangel stößt das Land jedoch schnell an seine Grenzen.

Trotz widriger Umstände hat Eritrea große Fortschritte im Bildungsbereich gemacht. Im primären, mittleren und sekundären Bereich erhöhte sich die Einschulungsrate seit 1999 stetig. Dennoch liegt die Einschulungsrate im Elementarbereich nur bei circa 70 Prozent und ist nach Meinung unabhängiger Beobachter sogar zuletzt rückläufig, so dass das Milleniumsziel von 82 Prozent nicht erreicht wurde.

Der enorme Lehrer- und Professorenmangel sowie die schwierigen Ausbildungsmöglichkeiten machen sich auch im medizinischen Bereich bemerkbar. Die medizinische Versorgung ist selbst in der Hauptstadt Asmara nur minimal (etwa neun Betten zur Intensivversorgung von Patienten). Im ganzen Land gibt es insgesamt nicht mehr als 40 (!) Fachärzte. Jede privatärztliche Aktivität ist verboten. Medikamente sind nur in sehr beschränkter Auswahl erhältlich.

Die Vielzahl der in Eritrea lebenden, ethnischen Gruppen macht das Land kulturell sehr vielfältig. Nicht nur in der Hauptstadt Asmara gibt es eine aktive künstlerische Szene, hauptsächlich Maler. Auch die einheimische, tigrinyasprachige Filmindustrie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Seit 2001 findet in Asmara alljährlich eine Buchmesse statt. Es gibt erste Versuche, die eritreische Volksmusik zu bewahren sowie mit Hilfe ausländischer Geber ein nationales Symphonieorchester ins Leben zu rufen. Musik und Tänze gelten allgemein hin als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Gruppen, denn sie sind ein wichtiger Teil in jeder Tradition.

 


 

Quellen und weitere Informationen:

www.auswaertigesamt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Eritrea/Wirtschaft_node.html

www.bpb.de/nachschlagen/lexika/fischer-weltalmanach/65665/eritrea?p=all

www.nzz.ch/international/nahost-und-afrika/eritrea-ld.88768